Berlinchen Dranse Sewekow Schweinrich

Kirchenchronik von Berlinchen

Eintragungen der amtierenden Pastoren über Berlinchen von 1848 bis 1954

1848
Am 11. Mai 1848 brannte das Dorf Berlinchen, zusammen mit der 1753 erbauten Kirche ab. Nur das Gehöft des Bauern BERLIN blieb verschont. Das Feuer war beim Bauern GARDEMIN entstanden und die gewaltige Feuersbrunst zerstörte den größten Teil des Dorfes mit reißender Schnelligkeit.

1852
In den Jahren 1852 - 1854 wurde das Gotteshaus wieder neu erbaut.

1872
Wieder ein Brand. Am 25.Juli wurde der Kotzen in Asche gelegt. Aber auch dieser Teil wurde wieder aufgebaut.

1877
Am 9.Februar 1977 nachmittags zwischen eins und zwei hat ein Blitzstrahl die Kirche zu Dranse und Berlinchen getroffen, beide Kirchen blieben von einem Brand verschont.



1899
Orgelweihe
Am 30.Juli nachmittags um halb vier Uhr erfolgte die Weihe der für Berlinchen neu angeschafften Orgel mit anschließender Liturgie und Predigt. Die Orgel wurde vom Orgelbaumeister HOLLENBACH in Neuruppin erbaut. Sie hat 9 klingende Register und kostete 2020 Mark, wovon die Gemeinde 1020 Mark aufbrachte und das Königliche Konsistorium auf dem Ämterkirchenfond 1000 Mark als Beihilfe gewährt. Die Orgel wurde vom Königlichen Seminarmusiklehrer, Herrn SEIDE, aus Neuruppin geprüft und für ein gutes Werk befunden. Unter zahlreicher Beteiligung der Gemeindemitglieder war die Orgelweihe eine Feier Gott zur Ehre und der Gemeinde zum Segen. Der Predigt lag Psalm 150,6 zu Grunde.

1902
Am 1.April verließ der Lehrer RETTIG die Berlinchener Gemeinde. Er wurde städtischer Lehrer in Rathenow. An seine Stelle trat Lehrer EMIL BRATSCH aus Wittstock, der gerade vom Seminar aus Neuruppin kam.

1903
Am 6.Dezember findet durch Superintendent KANITZ aus Wittstock die Kirchenvisitation statt.

1904
Zum Oktober wird Lehrer BRATSCH nach Pritzwalk versetzt, an seine Stelle tritt ERNST SCHNEIDER

1905
Die Sitte, dass der Lehrer und der Geistliche vor jeder Beerdigung zu Kaffee und Kuchen eingeladen werden, wird abgeschafft.

1906
Am 16.April fand vom Superintendenten KARNITZ eine Kirchenvisitation statt. Für die Kirche in Berlinchen wird ein neuer Altar- und Kanzelbekleidung, zugleich auch für den Taufstein und Lesepult beschafft. Die Mittel dafür bringt die Kirchengemeinde auf, die Ausführung übernimmt die Pfarrfrau.

1907
Der Kirchhof in Berlinchen erhält einen neuen Brunnen. Die Roggengeldrenten in Berlinchen werden von der Königlichen Rentenbank übernommen.

1908
Die Gemeinde in Berlinchen wurde durch den Tod zweier Brüder, ALFRED und OTTO BARTEL, sehr erschüttert. Die Brüder ertranken am 26.Januar im großen Baalsee, nahe der sogenannten Popenbäk.
Am 6.Juni verunglückte der Amtsvorsteher JOHANN BERLIN mit seinem Gespann tödlich, als er Wittstock verlässt um nach Hause zu fahren.
Mutter JENZ stirbt am 13.Juli mit 41 Jahren und hinterlässt sieben unversorgte Kinder.
Das neue Schulhaus wird fertig gestellt und am 26.Oktober eingeweiht.
Am 1.November wird der Lehrer SCHNEIDER nach Ketzin/Havel versetzt ohne dass ein Nachfolger bestellt wurde.

1909
Am 1.Januar fritt Lehrer BENDLIN aus Greifenhagen die Lehrer- und Küsterstelle in Berlinchen an.
Am 24.Januar wird er unter Beisein des Gemeindekirchenrates und des Schulvorstandes in sein Amt eingewiesen.
Am 2.Februar fand in Berlinchen ein Missionsfamilienabend beim Gastwirt GAMLIN statt. Pastor PANCKE aus Havelberg sprach über Ostafrika.
Am 2.Weihnachtstag fand in Berlinchen im Gasthaus TRETTIN unter Leitung des Lehrer BENDLIN eine Aufführung der Schulkinder statt.

1910
Am 28.Oktober feiert das STUCKSCHE Ehepaar in Berlinchen das Fest der Goldenen Hochzeit. Es gab eine richtige Feier, 50 Mark und eine Bibel.

1911
Die politische Gemeinde schenkt zu Pfingsten der Kirchengemeinde eine neue Gedenktafel zum Gedächtnis der 1864, 1866 und 1870/71 Gefallenen oder in Ehren bestandenen Krieger.

1913
Am 9. und 10.März fanden in Dranse und Berlinchen Festgottesdienste zur Erinnerung an die Zeit der Freiheitskriege statt.

1920
Am 1.Advent wurde in Berlinchen das aus Sandstein errichtete Denkmal geweiht.

1922
Am 23.Juli fand in Berlinchen die Weihe der neu beschafften Glocken statt. Damals zwei Glocken aus Bronze, nun drei aus Stahl. Die Glockengießerei aus Apolda hat sie gegossen. Die Glocken tragen die Inschrift: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet“. Gewicht der Glocken 758kg, 359kg und 209kg. Die Kosten für die Gießerei betrugen 51.000 Mark. 14.301 Mark kostete die Fracht und die Änderung des Glockenstuhls.
Im Oktober wurde die alte Bronzeglocke an die evangelisch reformierte Gemeinde Gilehaus für 50.000 Mark verkauft.

1923
Am 2.Weihnachtsfeiertag herrschten gewaltige Schneestürme und der Gottesdienst begann mit Verspätung. Der Grund dafür: Das Gespann blieb in den Schneemassen stecken und das Pferd fiel in den Chausseegraben aber der Kutscher RICHARD GÄDKE wusste sich zu helfen und alles wurde gut.



1929
Am 20.Januar wurde der Missionarsfilm „Andrea, der Sohn des Zauberers“ gezeigt. Die Musikbegleitung übernahm Lehrer EHRENREICH .
Am 24.Februar am Volkstrauertag wurde die in Berlinchen für die Gefallenen angebracht Gedenktafel geweiht.
Am 9.Juni feierte der Kriegerverein in Berlinchen sein 50-jähriges Bestehen. Begonnen wurde mit einem Festgottesdienst am Denkmal eine Predigt des Ortspfarrers, Festrede des Lehrer EHRENREICH, Preisschießen auf dem Festplatz, Volksbelustigung und Tanz am Abend.

1930
Im Juni wurden die Prospektpfeifen der Orgel wieder eingesetzt. Sie sind aus Zink mit Aluminiumbronze überzogen.
Am 29.Juni wurden sie zum heiligen Gebrauch geweiht. Sie kosten 295 Reichsmark. Der Orgelbauer SCHUKE aus Potsdam hat sie geliefert.

1931
Anfang November wurde im Dorf der Missionarsfilm „Gülau“ vorgeführt. Lehrer EHRENREICH übernahm die Musikbegleitung.

1932
Am 14.Dezember wird vom kirchlichen Erziehungsverband der Film „Not die uns ruft“ vorgeführt. Die Kollekte wurde an die Pfarrei KOLBE in Falkenhagen geschickt. Das Geld, 32 Reichsmark, soll für gefährdete Kinder verwendet werden.

1933
Pastor MAßLER aus Berlin vom Evangelischen Bund sprach am 11.Dezember zu den Gemeindemitgliedern. Sein Thema: Der Evangelische Bund im 3.Rech und Rasse und Evangelium.

1936
Am 18.Februar hielt ein Redner vom Evangelischen Bund, Pastor KORNRUMPF, einen Vortrag. Thema: Kampf, Not und Sieg des deutsch-evangelischen Gemeindelebens. Es waren nur 15 Gemeindemitglieder erschienen.

1937
Am 9.Februar sollte Pastor RESO aus Landsberg einen Vortrag halten. Thema: „Mit Luther für Glauben und Volkssturm“. Der Vortrag sollte im Gasthaus SCHÖNERT gehalten werden, wurde aber durch den Schweinricher Amtsvorsteher verboten.
Vom 8. - 14.November fand eine Volksmissionarswoche statt. Die Abende übernahm Volksmissionar KRUPKA.

1945
Am 2.Mai kamen die Russen, beschossen die Dörfer und zogen in sie ein. Die Kirche blieb ziemlich unbeschädigt. Die Zahl der Einwohner stieg, infolge der Flüchtlinge. Ende August gab es in Berlinchen 440 Einwohner. Davon waren Evangelisch gemeldet: 440.

1948
Seit dem 1.April wurde der Religionsunterricht verboten. Pfarrer LIEBENOW tritt in den Ruhestand.

1949
Mit dem 10.März ist dem Prediger KURSCHAT aus Ostpreußen die geistliche Versorgung Auftragsweise übertragen worden. Die Verwaltungsarbeit besorgt, auf Wunsch der Superintendenten, weiterhin Pfarrer LIEBENOW i.R..

1953
Am 1.August zog Pfarrer WOLFGANG RIETH in das Dranser Pfarrhaus ein. Das Kirchendach in Berlinchen wird erneuert. Die Frauenhilfe wird gegründet.

1954
Es herrsch eine große Hitze (30 – 36Grad) Am 21.Juni kam plötzlich ein Gewitter auf. Bei BOOCKMANNS schlug der Blitz ein und es kam zu einem großen Brand. Dabei wird die Nachbarin Frau WILLERT rauchvergiftet und stirbt auf der Tragbahre.
Das Jahr ist sehr feucht. Katastrophen und Überschwemmungen allerorten. Doch bei uns saugt der Sandboden alles auf.
Der Schlächter WILLERT wir ohne kirchliches Geleit beerdigt „wie ein Hund“.
Der Schulleiter von Berlinchen stottert die Rede. Die Gemeinde ist bewegt. Vor dem Erntedankfest entsteht der 3.Kirchenchor in der Parochie.